Benedikt Momme-Nissen
Einleitung
Wir wollen versuchen, uns ein Bild zu machen von einem ungewöhnlichen Menschen, dessen Lebensweg am 26.4.1870 im nordfriesischen Deezbüll beginnt und am 23.6.1943 in Ilanz (Kanton Graubünden) in der Schweiz endet: Benedikt Momme Nissen. - Den Namen Benedikt erhielt der ursprünglich protestantische Nordfriese Momme Nissen im Jahre 1916 beim Eintritt in den Dominikanerorden.
Wie der Kunstmaler Momme Nissen die Leinwand zunächst grundiert bevor er darauf seine Bilder malt, so wollen auch wir wenigstens kurz den zeitlichen Hintergrund skizzieren, auf dem dieses Leben sich entfaltet und schließlich vollendet hat.
Benedikt Momme Nissen – Vom friesischen Maler zum schweizer Mönch
Ein Leben zwischen Staffelei und Kloster: Benedikt Momme Nissen (1870–1943) war ein außergewöhnlicher Mensch mit einem noch außergewöhnlicheren Lebensweg. Geboren im nordfriesischen Deezbüll, beginnt seine Reise als talentierter Maler – und endet Jahrzehnte später als Benediktiner-Mönch in der Schweiz.
Der junge Momme Nissen wächst in einem kunstsinnigen Elternhaus auf, umgeben von der friesischen Weite und der protestantischen Tradition. Früh entdeckt er seine Liebe zur Malerei, ausgebildet von bekannten Verwandten wie dem „Friesenmaler“ Carl Ludwig Jessen. In Weimar verfeinert er sein Handwerk, knüpft Kontakte zu Künstlerkreisen und wird rasch Teil der lebendigen Kulturszene seiner Zeit. Seine Werke zeigen bäuerliche Stuben, friesische Gesichter – und eine tiefe Verbundenheit zur Heimat.
Doch Nissens Leben gerät ins Wanken: der frühe Tod des Bruders, gesundheitliche Rückschläge, die Leere des Künstlerdaseins. Die ausschweifende Bohème führt ihn in eine Sinnkrise – bis eine prägende Begegnung mit dem Kulturphilosophen Julius Langbehn alles verändert. Durch ihn entdeckt Nissen eine tiefere Bedeutung jenseits von Pinsel und Palette: die spirituelle Dimension des Lebens.
1916 tritt er in den Dominikanerorden ein und erhält den Namen Benedikt. Aus dem gefeierten Maler wird ein frommer Mönch. Sein Ideal bleibt jedoch das gleiche: Echtheit, Tiefe, Geistigkeit. Nissens Kunstverständnis – heimatverbunden, traditionell, „seelenvoll deutsch“ – spiegelt sich in seinem Denken wie in seinen Bildern wider. Er lehnt den aufkommenden Expressionismus ab und orientiert sich an Klassikern wie Dürer, Leibl und Böcklin.
Sein Leben bleibt bis zuletzt ein inneres Ringen zwischen Ästhetik und Askese, zwischen norddeutscher Bodenständigkeit und spirituellem Höhenflug. Benedikt Momme Nissen stirbt 1943 im Kloster Ilanz – als Mann, der mit dem Herzen sowohl in der Kunst als auch im Glauben zu Hause war.
Ich sah von weitem die Früchte leuchten in Gottes Garten – Wie war das schön!
Julius Langbehn (1851 - 1907), genannt der Rembrandtdeutsche, deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker
Quelle: Nissen, Der Rembrandtdeutsche Julius Langbehn.
Von seinem Freunde Benedikt Momme Nissen, 1926